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  • Deborah Annerl

Selbstverwirklichung als Chance in der Corona-Krise

Aktualisiert: März 23


Wer möchte ich sein in dieser Welt? Natürlich, wie alle anderen, ein Individuum. Selbstverwirklichung war schon laut der Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow (1908-1970) das höchste Bedürfnis des Menschen. Erst wenn die Grundbedürfnisse befriedigt sind, kann man sich der Spitze der Pyramide, der Selbstverwirklichung, widmen. In der heutigen Welt ist die Spitze der Pyramide jedoch für den Großteil der Young Professionals bald zum Greifen nahe. Sie dürfen sich bereit gleich nach ihrem Abschluss Gedanken machen, um ihre persönlichen Werte, über den Sinn ihres Daseins und darüber, was sie erreichen möchten. Sich eine glanzvolle Identität zuzulegen, war noch nie so einfach wie heute. In der Welt, in der Social Media unbegrenzte Optionen aufzeigt. Jeder kann frei auswählen, wofür er stehen möchte und dies durch Hashtags auch gleich publik machen. Ständig kommen neue Optionen dazu. Heute vegetarisch, morgen schon vegan. Vielleicht sogar in Kombination mit plastikfrei und nahezu klimaneutral. Auf jeden Fall ein Vorbild. Wir pushen, sharen und liken das, was ihn ausmacht, den Menschen, der wir sein wollen. So bauen wir online Schritt für Schritt das Ich auf, was unserem Verständnis von einem anerkennungswürdigen Ich entspricht. Doch so einfach es auch scheint, so schwierig ist es auch auf der anderen Seite herauszufinden, wer wir wirklich sein möchten und wofür wir ganz analog stehen. Sicher ist nur, dass jeder ein Mensch sein will, der Anerkennung bekommt und gemocht wird. Online und offline. Und genau das führt zu großen Herausforderungen in der Arbeitswelt.





Lediglich 28 % der Young Professionals sind zufrieden mit ihrem Job (Trendence, 2019). Sie wünschen sich mehr als das, was Arbeitgeber ihnen bieten. Längst reichen die grundlegenden guten Rahmenbedingungen, wie ein sicherer Arbeitsplatz und ein faires Gehalt, nicht mehr aus, um junge Arbeitnehmer zufriedenzustellen. Die Young Professional Attraction Index Deutschland-Studie von Academic Work (2019) zeigt, dass die Young Professionals neben einem fairen Gehalt vor allem auf ein gutes Arbeitsklima, Zusammenhalt, Wertschätzung und Fairness am Arbeitsplatz großen Wert legen. Aktuell werden diese Wünsche der Young Professionals noch nicht hinreichend erfüllt. Spricht man direkt mit den Young Professionals wird klar, was zu dieser Unzufriedenheit führt. Es mangelt vor allem an Wertschätzung und einem guten Führungsstil. Der Punkt Wertschätzung gerät in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus. Wertschätzung bedeutet, dass das was wir tun von anderen gesehen und anerkannt wird und wir Feedback bekommen. Direkt und ohne Umschweife. Und dass es sowas gibt, erfahren wir täglich in den sozialen Medien. Instagram ist die Plattform, die uns Lob und Kritik gibt. Wir müssen nicht mal danach fragen. Arbeitgeber sind da deutlich zurückhaltender. Wenn die Generation Y und Z zufriedene Arbeitnehmer sein sollen, muss sich also etwas bewegen. Natürlich keine einfache Aufgabe, für Führungskräfte, die häufig eher der Generation X entstammen und genau wissen, was sie wollen. Ohne individuelles Feedback als Gegenleistung für ihr Tun zu verlangen. Was könnten Arbeitgeber nun also tun, um ihre Mitarbeiter zufrieden zu stellen? Sie könnten damit beginnen, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und Verständnis für ihre Bedürfnisse zu entwickeln. Sie fragen, was sie wirklich, jeder individuell benötigen, um sich entfalten zu können und ihre Talente zu zeigen. Sie könnten ihre Werte anpassen, mit der Zeit gehen. Nachhaltigkeit leben und nicht nur darüber sprechen. Also das, was digital Likes generiert analog entstehen lassen. Und die Arbeitnehmer selbst? Die haben nun auch ihre Chance. Genau jetzt, wo die sich schnell wandelnde Welt mit all ihren Möglichkeiten plötzlich nicht nur auf dem Kopf steht, sondern sich auch deutlich langsamer dreht.

Durch das Corona-Virus sind wir in einer Welt angekommen, in der es nicht mehr von Relevanz sein darf, dass die Obstlieferung noch nicht in der Teeküche angekommen ist und dass das Feedback des Chefs nicht so ausführlich und wertschätzend war, wie es zur Weiterentwicklung der eigenen Kompetenz beitragen würde. Plötzlich geht es wieder um die Befriedigung der wirklichen Grundbedürfnisse. Damit ist nicht die Verfügbarkeit von Internet gemeint, die aus Sicht der Digital Natives vermutlich dazu gezählt werden müsste. Nein, es geht um physiologische Bedürfnisse und um Sicherheitsbedürfnisse. Seit einigen Tagen ist jeder gleichermaßen mit an Panik grenzende Unsicherheit und leeren Supermarktregalen konfrontiert. Und dann auch noch alleine. Mit sich. Seinem Leben und der Realität. Vielleicht bietet das Corona-Virus uns die Chance für echte analoge Selbstverwirklichung. Alles was uns sonst dafür fehlt, ist nun da. Zeit für uns alleine. Es spricht nichts dagegen, sich nun Gedanken darum zu machen, welchen Beitrag wir in dieser Welt leisten möchten. Wer wir sein möchten. Wir dürfen jetzt bei uns selbst ankommen und uns auf das Menschsein fokussieren. Ein Mensch, der Fehler macht, der in der Not auch mal egoistisch ist und darüber nachdenkt, Hamsterkäufe zu tätigen. Ein Mensch der mehr Grundbedürfnisse hat, als eine Vielzahl an Likes für einen Post zu bekommen. Ein Mensch, der ohne das Zutun und die Bestätigung von außen wirklich viel mitbringt für eine ganz analoge, langsame Welt. In der es zählt, dass wir uns selbst treu sind. Der Rest kommt ganz von alleine. Auch die Selbstverwirklichung.


Alles Liebe & Focus On The Good,

Deborah

Academic Work. (2019). Young Professional Attraction Index Deutschland. URL: https://www.academicwork.de/fuer-unternehmen/ypai-2019-whitepaper

Academic Work. (2019). Young Professional Attraction Index Sweden, Norway, Finland, Denmark, Germany and Switzerland. URL: https://www.academicwork.de/fuer-unternehmen/ypai-2019-whitepaper

Trendence Institut GmbH. (2019). Trend Report „Das fordern Young Professionals“. URL: https://www.trendence.com/reports/arbeitsmarkt/forderungen-young-professionals-unternehmen

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